Die besondere Betreuung in der Kinderwohnung

Beobachten, begleiten, Zeit und Raum geben

„Die frühe Kindheit ist eine sensible Entwicklungsstufe, darum reicht es nicht aus, dass Kinder gute Betreuung erhalten, die Betreuung muss hervorragend sein.“ – Magda Gerber –

In der Kinderwohnung sind die Kinder die Initiatoren. Wir Erwachsenen beobachten sie wachsam und begleiten sie dort, wo sie Unterstützung brauchen.

Wo und wann brauchen Kinder uns und unsere Untersützung?

  • beim Füttern
  • beim Wickeln
  • beim Schlafen legen
  • beim sozialen Miteinander
  • Sie brauchen Orientierung.
  • Sie brauchen verlässliche Beziehungen.

Was können die Kinder selbstständig?

  • spielen
  • krabbeln
  • robben
  • laufen
  • schaukeln
  • klettern
  • und vieles mehr …

Diese Dinge können Kinder nicht vom ersten Augenblick an. Wir haben aber das Grundvertrauen in Kinder, dass sie von sich aus lernen und sie sich dieses Können durch eigenes Engagement aneignen können. Sie brauchen hierfür eine entsprechende Umgebung. Sie muss physisch sicher, kongnitiv anregend und emotional warmherzig sein. Diese Voraussetzungen finden die Kinder in unserer Kinderwohnung.

Kinder brauchen Zeit für nicht unterbrochenes Spiel. Sie brauchen die Freiheit zum Forschen und sie brauchen die Möglichkeit mit anderen, besonders gleichaltrigen Kindern, zu interagieren. Es ist erstaunlich, wie beschäftigt Babys und Kinder sein können, wenn ihnen Raum und Zeit gegeben wird und sie die Möglichkeit haben, sich ihre Beschäftigung und ihre Mitspieler selbst aussuchen zu können. Dieses wird durch die Betreuung in unseren altersgleichen Gruppen – Raupen und Schmetterlinge – hervorragend unterstützt.

Durch einfühlsames Beobachten der Kinder gehen wir individuell auf ihre Bedürfnisse ein. Wir geben ihnen Orientierung und Sicherheit durch unser authentisches Verhalten, klar definierte Grenzen und ihrem Entwicklungsstand entsprechend ausgewählte Erwartungen.

Beziehungsvolle Pflege

Gelegenheiten zum Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung bestehen bei den Mahlzeiten, beim Wickeln und beim Schlafen legen. Die Einbeziehung des Kindes bei allen Aktivitäten der Pflege gibt dem Kind die Möglichkeit, sich aktiv zu beteiligen. Es entsteht ein konstruktives miteinander Tun zwischen Kind und Erwachsenem.

Mahlzeiten

Essbänkchen

Sind die Kinder noch klein, füttern wir sie auf dem Schoß. Können sie schon laufen und den Platz im Essbänkchen selbst einnehmen, so beginnen sie selbstständig zu essen. Es entstehen Rituale, die die Kinder sehr lieben. Nach und nach decken sie ihren Tisch selber, nehmen sich ihr Frühstück aus ihrer Tasche, gießen sich Wasser ein und essen selbstständig. Aber nicht allein. Die Betreuerin ist bei ihnen. Sie begleitet das Kind bei seinen Handlungen mit ihrer Sprache. So entsteht Beziehung mit gleichzeitigem Spracherwerb. Wenn die Kinder älter werden benötigen sie ihre Bezugsperson nicht mehr für sich allein. Es besteht die Möglichkeit, dass schon zwei oder drei Kinder gemeinsam mit ihrer Betreuerin essen.

Wickeln und Abschied von der Windel

Wir Erwachsenen kündigen das Wickeln immer an. Wir warten eine Situation ab, in der das Kind gerade nicht ins Spiel vertieft ist. Wir motivieren das Kind, sich aktiv beim Aus- und Anziehen zu beteiligen. Wir achten darauf, dass das Kind sich wohl fühlt und begleiten unser Tun mit unserer Sprache. Wir erklären was wir tun und sagen, was das Kind tun könnte. Auch hier ist es wichtig, dass wir uns Zeit nehmen. Auch hier ist die gute Beziehung zwischen Kind und Erwachsenem von entscheidender Bedeutung.

Unsere Wickelmöglichkeit befindet sich auf dem Boden im Bad. Dadurch können die Kinder selbstständig den Wickelbereich betreten und wir vermeiden, dass es zu schweren Stürzen vom Wickeltisch kommen kann.

Die Schmetterlinge lernen schon selbst einzuschätzen wann sie eine neue Windel benötigen. Ebenso interessiert sie zunehmend die Benutzung der Toilette. Immer wenn die Kinder mögen, dürfen sie die Toilette benutzen. Aber sie müssen es nicht. Jedes Kind hat sein eignes Tempo und seine eigenen Entwicklungsschritte, wann es sich von seiner Windel verabschieden möchte.

Schlafen legen

In der Kinderwohnung schlafen alle Kinder im Buggy im Garten. Direkt vor unserem Küchenfenster geschützt unter Bäumen und Sonnenschirmen.

Wir ziehen die Kinder so an, als wenn wir mit ihnen mit dem Buggy spazieren gehen würden. Im Winter statten wir den Buggy mit einem warmen Fell, einem Schlafsack und Decken aus. Sollte es sehr kalt sein legen wir den Kindern noch ein warmes Kirschkernsäckchen mit in den Buggy. Gegen Wind, Regen und Sonne schützen Regenverdecke oder Tücher.

Wir legen die Kinder individuell nach ihrem Schlafbedürfnis zum Schlafen hin. Wir bereiten sie darauf vor, indem wir sie bei den ersten Anzeichen von Müdigkeit darauf aufmerksam machen, dass sie schon anfangen zu gähnen, oder immer öfter träumen, oder sich am Ohr krabbeln, oder sie immer öfter etwas stört, oder sie häufiger stolpern oder schlechtere Laune bekommen. Jedes Kind drückt Müdigkeit auf seine Weise aus und wir begleiten das mit Worten.

Gemeinsam mit dem Kind holen wir seine Schlafjacke und das Kuscheltier oder den Schnuller. Im Winter sucht sich das Kind ein Kirschkernsäckchen aus, mit dem es dann zum Buggy geht. Warm eingepackt oder auch luftig bekleidet hat das Kind nun die Möglichkeit langsam in den Schlaf zu versinken.

Soziales Miteinander

Babys sind in den ersten Monaten darauf ange-wiesen, dass sich der Erwachsene sofort um sie kümmert. Nach und nach lernt es, zu warten und in Kommunikation mit anderen zu treten. Kleine Kinder haben oft noch die Wahrnehmung, dass alles ihnen gehört und es in diesem Moment kaum auszuhalten ist, auf ein bestimmtes Spielzeug zu warten bis das andere Kind fertig ist damit zu spielen. Wir begleiten es auf dem Weg, sich in einer Kindergruppe selbst wahrzunehmen, seine Bedürfnisse auszudrücken, zu warten oder sich durchzusetzen. Viele Konflikte unter Kindern entstehen durch Missverständnisse. Hier erklären wir den Kindern, welchen Grund das andere Kind haben könnte, warum es sich auf diese Art und Weise verhält und geben Vorschläge für Alternativen, wenn es notwendig ist.

Orientierung durch Erwachsene

Kinder kennen ihre Wünsche sehr gut, sie sind sich ihrer grundlegenden Bedürfnisse jedoch nicht immer bewusst. Kinder werden mit vielen unterschiedlichen Empfindungen geboren, es fehlt ihnen aber praktische Lebenserfahrung und die Fähigkeit vorauszudenken. (vgl. Jesper Juul; Leitwölfe sein; Seite 21 Abs. 1)

In der Kinderwohnung bereiten wir Kinder, die müde sind auf das Schlafen vor. Das bedeutet aber nicht, dass die Kinder auch immer schlafen wollen. Durch fürsorgliches, im Dialog mit dem Kind, überlegtes Handeln entscheiden wir, das Kind schlafen zu legen. Das bedeutet nicht, dass das Kind sofort einschläft. Manchmal benötigt es noch einmal einen Schritt zurück. Wir nehmen es wieder aus dem Buggy und legen es eine Weile später wieder zum Schlafen hin. Kinder, die nicht gelernt haben zu schlafen wenn sie müde sind, brauchen manchmal etwas Hilfe ihr Bedürfnis zu erkennen und zu akzeptieren.